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Posse um den Grazer AK



Grazer AK - dieser Name verbindet zwei wichtige Merkmale des österreichischen Vereinsnamenswesens. Da wäre zum einen die Voranstellung „Athletik-“. Unter dem Eindruck der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit und angeregt durch den tschechischen AC Praha (Prag) + tauchte sie schon ausgesprochen früh, 1897, beim Wiener AC auf. Graz sollte 1902 einen leistungsorientierten Omnisportklub gleichen Namens erhalten. Es war lange nicht der letzte Österreichs; Floridsdorfer AC, Favoritner AC, Salzburger AK 1914 oder Wolfsberger AC sowie Eishockey-Rekordmeister Klagenfurter AC sind beispielsweise auch keine Geheimtipps. Beim Grazer AK beläuft sich die sorgsam gepflegte ausgeschriebene Fassung auf „Athletiksport Klub“. Vereinsnamen.de hält dagegen nur „Athletik-Sportklub“ für richtig. Auf Anhieb ist der Beobachter erstaunt, daß mit solcher Selbstverständlichkeit das S im Kürzel unterschlagen wird, anders als beim ansonsten gleichnamigen Linzer ASK. Doch finden wir ebenbürtige Uneinheitlichkeiten auch in Deutschland vor, nämlich bei „Ballspielvereinen“ und „Ballspielclubs“, die vereins­weise entweder als „BV“/„BC“ oder als „BSV“/„BSC“ abgekürzt werden. Die zweite österreichische Eigenart speist sich aus der Schreibweise von „Klub“ mit K, wobei diese in Wahrheit keineswegs eigenartig, sondern schlicht ordnungs­gemäß ist. Bis vor einiger Zeit, als er den Sponsorennamen „Liebherr GAK“ trug, verkörperte der Klub auch noch eine weitere Landessitte.




2012 reichte der Grazer AK seinen vierten und letzten Konkursantrag binnen sechs Jahren ein. Zum Ver­ständnis der daraufhin einsetzenden Posse muß man wissen, daß der vom Konkurs betroffene Fußballverein GAK schon vor langer Zeit aus dem GAK-Stammverein herausgelöst worden war. Wie bei Traditionsvereinen mit Fanszene üblich, stand die irgendwie geartete Fortführung außer Frage, doch über die genaue Gestalt entbrandete Streit. Den Nachwuchs brachte man flugs in einem separaten Verein in Sicherheit, dem „Grazer Fußball-Ausbildungsklub für Kinder und Jugendliche“, woraus sich angeblich die Umgangsbezeichnung „GAK Juniors“ ableitete. Durch die Ummeldung der Amateure auf den DSV Leoben wuchs die Zahl der Vereine mit GAK-Bezug einschließlich Stammverein und dem in Abwicklung befindlichen GAK auf vier. Nur fehlte nach wie vor die allesentscheidende 1. Herren, oder wie man sie in Österreich nennt, die Kampfmannschaft.


Dafür wurde der „Grazer Athletik-Klub für Fußball 2012“ geschaffen, kurz „GAK 2012“ (ohne die mittlere Fassung „Grazer AK 2012“). Weder die Behörde noch der Verband sahen in diesem Namen ein Problem, wohl aber der GAK-Stammverein, dem der Unterschied zum Traditionsnamen nicht etwa als zu groß, sondern als zu klein erschien. Nach all den Querelen der vorangegangenen Jahre betätigte sich dieser Stammverein mittlerweile als Gralshüter des einst guten Namens, welcher nicht mehr mit Vorschuß­lorbeeren aus der Hand gegeben werden sollte. Dem GAK 2012 fiel bei seiner Suche nach dem Ausweg ein, daß sich der alte Grazer AK doch von 1902 an zunächst mit C geschrieben hatte. Da ist es wieder, das öster­reichische C/K-Hickhack! Man tausche also den einen Buchstaben aus, verdrehe auch noch die aus­geschriebene Fassung zum hanebüchenen Mumpitz, und fertig ist der „Grazer Allgemeine Club für Fußball“, mittel „Grazer AC“, kurz „GAC“.


Einige betuchte Strategen wollten sich verständlicherweise nicht mit dem Wiederbeginn in der untersten Spielklasse abfinden. Für eine Bestechungsfusion mochte sich allerdings kein höher angesiedelter Verein hergeben. Stattdessen bahnte sich ein unglaublicher Pakt mit dem FC Gratkorn an: Dieser verschuldete Vorortklub sollte nach 92-jährigem Bestehen einfach umlackiert und umbenannt werden, zum „Grazer und Gratkorner Athletik-Fußballklub“, kurz „GAK²“ (gesprochen: „G-A-K Quadrat“), ohne mittlere Fassung. Auf Drängen des GAC erhob der GAK-Stammverein jedoch auch hier Unterlassungsklage gegen die geplante Verwendung der entstehenden Kurzform. Somit hätte der vorgeschwebte Verein stets nur höchst umständlich als „Grazer und Gratkorner Athletik-Fußballklub“ bezeichnet werden können. Schließlich platzte das Vorhaben aber ohnehin.



Zumindest die greifbar nahe Spaltung des ideellen Grazer AK blieb damit aus. Der GAC rüstete sich für die Aufgabe, Jahr für Jahr nach oben zu steigen. Parallel dazu verhandelten die Verantwortlichen mit dem Stammverein über das Recht, sich wieder GAK nennen zu dürfen. Währenddessen trieb die Anhängerschaft von einer Gefühlswallung zur nächsten. Nach dem traurigen Ende und dem aufregenden Neuanfang wurde sie ganz unvermutet in den Zustand versetzt, ihren Verein unter der historischen Kurzform GAC zu erleben und zu vertreten. Über allem stand aber das Frohlocken auf den Tag hin, an dem das K zurückkehren würde. Die vormals für Ausschreitungen bekannte Fanszene mußte durch anständiges Benehmen sogar ihre eigene Pflicht dazu erfüllen. Nach gerade mal einer halben Spielzeit ließ sich der Stammverein von der großen Aufbruchstimmung erweichen. Seit 2014 ist die - neben LASK - berühmteste entstehende Kurzform des österreichischen Fußballs wieder offiziell am Start (mit der ausgeschriebenen Fassung „Athletiksport Klub“). Sofort nach der Verkündung ging der Grazer Schloßberg in einem Freudenfeuer auf. Was liefern diese Vorgänge doch für ein Lehrstück über die riesige Bedeutung von Vereinsnamen! Und als Nebenprodukt fällt mit GAK² der abenteuerlichste Phantom-Vereinsname der Fußballgeschichte ab.