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Heidenheimer Namenslüge



2007 stand die Ausgliederung der Fußballabteilung des Heidenheimer SB an. Solch einen Vorgang kann man unauffällig gestalten, wie in den Folgejahren bei SSV Ulm 1846, SGV Freiberg und SSV Reutlingen geschehen. Ein Namenszusatz, der im Alltag unter den Tisch fällt, erlaubt die Fortführung des Traditionsnamens. Jenen wollten die Heidenheimer bei der Gelegenheit aber gleich mit über Bord werfen. Ein neuer Name sollte her. Mit der damals noch unbedeutenden Fanszene konnte man so umspringen.


Für einen ausdrücklichen Fußballverein aus Heidenheim reihen sich die Namensideen gleich zu einer wahren Perlenkette auf: FV Heidenheim, 1.FV Heidenheim, Heidenheimer FV, FK Heidenheim, 1.FK Heidenheim, Heidenheimer FK, FG Heidenheim, Heidenheimer FG, FVgg Heidenheim, in Anlehnung an den Ausgangsverein auch FB Heidenheim und Heidenheimer FB. Mit jedem einzelnen dieser Namen hätte der Verein schon als Drittligist deutschlandweit Interesse und Zuneigung verbuchen können. Auch die entstehenden Kurzformen wüßten allesamt zu gefallen (FVH, HFV, FKH, HFK, FGH, HFG, FBH, HFB). Stattdessen griff man zum abgedroschenen „1.FC“. Auch gut, die grundlegenden Namen sollen ja gerne häufiger vorkommen. In Baden-Württemberg übernahmen die Heidenheimer gewissermaßen den Staffelstab vom dahinsiechenden und inzwischen wegfusionierten 1.FC Pforzheim. Allerdings bedachte man nicht, daß unter der entstehenden Kurzform „FCH“ weithin bereits der FC Hansa Rostock und der FC Homburg bekannt waren, zwei Vereine, mit denen man absehbar immer wieder mal die Klingen kreuzen könnte. Der zwar niederklassige, aber als „Stadtverein“ konzipierte, in einer nur 85 km entfernten Großstadt ansässige - nunmehr wegfusionierte - FC Heilbronn wurde sowieso verachtet.


„1.FC Heidenheim“ ist noch nicht der vollständige Vereinsname. Es gehört auch eine Jahreszahl dazu, zum Glück nur nebensächlich geprägt, in der Eigendarstellung aber dennoch selten fehlend und von den Fans ausgiebig besungen: 1846. Nanu, 1846 und Fußball, da stimmt doch was nicht?! 1846 wurde noch nichtmal in England vereinsmäßig dem Leder nachgejagt. Als erster und ältester Fußballklub der Welt galt zuvor der Sheffield FC aus dem Jahr 1857, den der 1.FC Heidenheim 1846 mit einer dreisten Geschichtsfälschung nun also locker um elf Jahre zu unterbieten trachtet. Wenn etwa die offizielle Vereinshymne verlautbart, man hätte einen „Fußballklub mit langer Tradition, seit 1846 existiert er schon“, wird die eigene Anhängerschaft regelrecht indoktriniert und auf die Lüge eingeschworen. Zwar gibt der Verein in gelegentlichen Stellungnahmen durchaus klein bei, was dann nichts anderes heißt als „Bitte nehmt unseren Namen nicht so genau, er ist leider totaler Quatsch“, aber der Name steht eben, und ein solcher sollte wohl auch ohne ständige Erklärungen funktionieren. Im Gegenteil, hier liegt ein absoluter Musterfall des Verstoßes gegen die Namenswahrheit nach § 18 Absatz 2 Handelsgesetzbuch analog vor. Traurig, daß sich die Rechtsgelehrten auf dem Amtsgericht so leicht übertölpeln ließen und sie die Täuschungs­absicht gar nicht bemerkten. Wie abwegig es ist, als namentlicher Fußballverein mit einer Turner-Jahreszahl loszuziehen, bekundet die abschließende Liste aller weiteren Quertreiber: FC Union 60 Bremen, Union 1861 Schönebeck (ohne Bezeichnungsname), FSV 1861 Kaltensundheim, FV Brandenburg 1862 +, SpVgg 1862 Neumark, Spvgg Essenheim 1886. Der 1.FC Heidenheim 1846 möchte unbedingt die bestehende Ordnung umstürzen, die uns bisher geläufig war und an der wir uns orientieren konnten. Dieser Name ist eine enorme Respektlosigkeit gegenüber dem Turnerwesen und dem Fußballsport allgemein, gegenüber den Turnern und Fußballern in der eigenen Vereinsgeschichte, und gegenüber allen anderen Vereinen. Ein derart unseriöser Nonsens bringt unsere ganze Fußball- und Vereinskultur in Verruf! 1.FC Heidenheim 1846 - ein durch und durch asozialer Vereinsname!




Aus Gründen, die man sich denken kann, fühlt sich der Verein noch viele Jahre nach der Ausgliederung aus dem HSB gedrängt, den eigenen Namen zu verteidigen. Auf der Netzseite liest man: „Und er passt gut, vor allem, weil er all das ausdrückt, wofür der Verein steht, bzw. was er ist.“. Ist er also ein Fußballklub aus dem Jahr 1846? „Zum ersten natürlich ein reiner Fußballclub, in dem keine anderen Sportarten betrieben werden.“. In diesem Punkt, wo Ungenauigkeiten noch lange keine Lügen wären, klebt man am Wortlaut. „Zum Zweiten, ist er der erste seiner Art in Heidenheim, was durch die 1 sichtbar wird.“. Mit dem Gründungsjahr 2007 ist er natürlich nicht der erste Fußballverein vor Ort. Worauf hier abgezielt wird, ist der Umstand, daß sich die Spur des ersten Heidenheimer Fußballvereins vom Jahr 1910 (Aufnahme des Fußballspiels 1911) letztlich im HSB verlor. Das „1.“ bezieht sich etwas sehr verspätet und um viele Ecken herum auf 1910/1911! „Zum dritten soll er deutlich die Verbundenheit der Fußballer zur Stadt zeigen, deswegen war von Anfang an klar, dass Heidenheim in den Vereinsnamen hineingehört.“. Donnerwetter, diesen Jahrhundert-Einfall kann man nicht genug würdigen. „Durch das 1846 schließlich wird die Tradition des Vereins dokumentiert.“. Wurde die Tradition des Vereins nicht eben gerade noch auf 1910/1911 datiert? Nachdem man vorher schon Brief und Siegel darauf gab, nur eine einzige Sportart auszuüben, die 1846 völlig unbekannt war? „Zunächst war daran gedacht worden, den Verein FC Heidenheim 07 zu nennen, doch entstand dadurch die Gefahr einer Verwechslung zwischen 1907 oder 2007.“. Man befürchtete, der Verein könnte für 100 Jahre zu alt gehalten werden. Aber wenn es 161 Jahre sind, geht es wieder?


Endgültig im Reich der Realsatire sind wir bei folgenden Zeilen angelangt: „Die Verantwortlichen haben es sich bei der Wahl des Namens nun wahrlich nicht leicht gemacht. Wochenlang wurde hin- und herdiskutiert, Vor- und Nachteile abgewogen und schließlich auch Mitglieder und Fans mittels einer Umfrage in den Findungsprozeß eingebunden.“. Ebenso klopft man sich für das Wappen öffentlich auf die eigene Schulter. Für eines, das unsinnigerweise doppelt den Vereinsnamen aufführt, bei blau-roten Vereinsfarben einmal in blau-weiß und einmal in rot-weiß, als handele es sich um zwei verschiedene Vereine. Die Fans passen sich der Borniertheit und Tolpatschigkeit nahtlos an, indem sie als Stellungnahme zur möglichen Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft das Spruchband „Eingetragener Verein seit 1846“ hochhalten. Daß sich der Stammbaum aus zahlreichen Vereinen zusammen­setzt - papperlapapp. Und von allgemeiner Geschichte, wie z.B. der Einführung der Rechtsform „e.V.“ im Jahr 1900, läßt sich ein Heidenheimer ohnehin nicht beeindrucken. Irgendwie scheint man bei dem Klub auf Kriegsfuß mit dem vereins­eigenen Motto zu stehen, das da lautet „Geradeaus und Ehrlich“ ...