V E R E I N S N A M E N . D E

-  Z e n t r a l s t e l l e   f ü r   d e u t s c h e   F u ß b a l l - V e r e i n s n a m e n  -



Einstieg    • Sammlung Bezeichnungsnamen    • Sammlung Wortnamen    • Vertiefungen
Namentliche Werdegänge    • Zeitgeschehen    • Vereinsnamen-Knigge    • Geschichtswerke



Club vs. Klub    • Phänomen Kleinbuchstaben im Kürzel    • Fusionsergebnisse
Willkür und Schicksal    • Erfinder bzw. Einführer    • Traditionsreichste Namensträger
Beeinflussung der Vereinsfarben    • Namensdarstellung in Wappen    • Hauptanfeuerungsrufe
Formale Zusätze    • Namensverbote    • Spitznamen    • Namenskultur und Volksaustausch




Club versus Klub



Einzelnstehende „Cs“ kennt das Deutsche nicht. Wenn dieser Buchstabe in Eigennamen enthalten ist, war er dort nachträglich nur zur Zierde eingebaut worden. Seit der Rechtschreibreform von 1901 (als die Vereinsgründungen freilich schon in vollem Gange waren) kam das C nicht einmal mehr in Fremdwörtern vor, wo man stattdessen je nach Aussprache ein K oder ein Z setzte. Das englische Wort „Club“ schreibt sich im Deutschen demnach zweifelsohne mit K. Umso erforderlicher ist dies durch den Umstand, daß wir es bis hin zur typischen Auslautverhärtung gnadenlos deutsch aussprechen, „Klupp“ anstatt „Klaab“, sowie durch die gute Einfügung in unsere eigenen Wortbildungsregeln, womit es längst vom Fremd- zum Lehnwort aufgestiegen ist. In Fußballkreisen hält man sich als Tribut an das Mutterland dieses Sports beharrlich an den englischen Stil. Osteuropa, die Türkei oder Skandinavien, welches dem englischen Fußball ansonsten wesentlich näher steht, sind jener Marotte nicht so verfallen. Bei uns läuft einem die K-Schreibweise in anderen Sportarten auch häufiger über den Weg, besonders unter Schach-, Ski- und Ruderklubs. Ein sensationelles Kleinod allein auf weiter Flur bildet seit rund 150 Jahren Hannovers weitaus größter Sportverein, dessen Name „Turn-Klubb“ in goldenen Lettern an der backsteinernen Turnhalle aushängt (evtl. gab es das Doppel-b zeitweise noch beim Hasper TK + und beim TC Eintracht Göttingen +). Im Fußball, so hat es den Anschein, wäre das zuviel des Selbstbewußtseins - lieber stürzt man sich als Lemming den anderen Lemmingen hinterher.


Schon seit Urzeiten tut sich allerdings ein Zwiespalt zwischen den Kürzeln FC, SC, usw. und den zugehörigen ausgeschrie­be­nen Fassungen auf, die dann oft als „Fußballklub“/„Sportklub“ wiedergegeben werden, weil man sich letzten Endes doch der übergeordneten Rechtschreibung verpflichtet fühlt. Es gibt sie also, die Schnittmenge aus Name und allgemeinem Wort. Nur tritt dann das Problem auf, der sogenannten K-Verführung zu erliegen, indem von solchen ausgeschriebenen Fassungen irrtümlich auf Kürzel FK/SK geschlossen wird. Daß Vereinsnamen sehr häufig mit Bindestrich zu lesen sind („Fußball-Club“/„Sport-Club“), obwohl damit ein weiterer Rechtschreibfehler begangen wird, funkt in die Angelegenheit ebenfalls mit hinein. Auf diese Weise soll sich nicht nur die Herleitung des Kürzels abbilden, sondern auch das vollständige - und zu falsch wirkende - Einbetten des c inmitten des Wortes unterbleiben. Gruß vom Teufel und dem Beelzebub ...





Bevor Deutschland genauer durchleuchtet wird, gebührt der Vortritt Österreich, handelt es sich hierbei doch um eine Kampfzone zwischen Club und Klub. Mehrere der bedeutendsten Vereine gehören der untadeligen Fraktion an: SK Rapid Wien, FK Austria Wien, Grazer AK, SK Sturm Graz, Linzer ASK. Der erfreuliche Lagebericht ist aber leider nur SK und ASK zu verdanken, wohingegen FK bis auf eine Ausnahme in der nordöstlichen Ecke eingekesselt ist; in absoluten Zahlen hat da sogar Deutschland mehr zu bieten als Österreich mit der abschließenden Liste FK Union Gansbach, „FK Austria / ASV Puch Graz“, FK Austria Hagenbrunn, FK Hainburg, UFK Schwemm, FK Austria Wien, FK Rot Weiss Wien, FK Rüdengasse (Freizeit-Fußball). Obwohl der Sachverhalt allemal genügend Sprengstoff für einen „Glaubenskrieg“ beinhaltet, sieht man die Dinge erstaunlich gelassen. Es wird sogar munter hin- und hergewechselt, betrachten wir z.B. die auseinander hervorgegangenen Vereine Wiener SC / Wiener SK, FCN St. Pölten / SKN St. Pölten, SK Vöest Linz / FC Blau-Weiß Linz, SK Austria Klagenfurt / FC Kärnten +. Noch bizarrer nehmen sich die entstehenden Kurzformen „SCR“ des SK Rapid Wien und „FSK“ des SC Fürstenfeld aus, oder die Buchstaben „SCV“ im Wappen des SK Vorwärts Steyr und „GAC“ in demjenigen des Grazer AK. Der Fusionsklub „ASK-BSC Bruck“ ist sich wohl auch für keinen Schmarrn zu schade. Die Schreibweise wird also schon genau wahrgenommen, aber dennoch nicht für wichtig befunden - eine merkwürdig unentschlossene Haltung.


Landläufig wie nirgendwo sonst im volksdeutschen Raum war die K-Schreibweise im Sudetenland (s. Anstecknadeln unten). Schriftbilder der Art Warnsdorfer FK, Teplitzer FK, Reichenberger SK schwangen zu rund drei Vierteln das Zepter. Hervorzuheben ist hier auch die furchtlose Anwendung des Kürzels FK. Spätestens dieses kernige Selbstverständnis sollten wir nun nicht ohne Erklärungsversuch zu den Akten legen. Der erste Gedanke geht an die bis 1918 währende Zugehörigkeit zu Österreich-Ungarn. Doch damit tappt man im Dunkeln. Österreich kann nicht als übertroffenes Vorbild gedient haben, da dort der Hang zum K noch in den Kinderschuhen steckte. Außerdem hatten die sudetendeutschen Vereine auch eher Spielverkehr mit dem viel enger benachbarten heutigen Deutschland. Eine schlüssigere Herleitungskette ergibt sich aus folgendem Ansatz: 1. Slawische Sprachen enthalten stets „Ks“ und alleinstehende „Cs“. Die Cs werden - auch in abgewandelter Form - niemals als K ausgesprochen. 2. Während wir Deutschsprachler immerhin erahnen, daß „Club“ mit K-Laut zu sprechen ist, werden die slawischen Völker von diesem Wort also verwirrt (gewesen) sein. 3. Das Sudetenland war trotz des überwiegenden Deutschtums dennoch durch Kontakte und Minderheiten tschechisch angemischt. 4. Der Anmischungsgrad erreichte die entscheidende Höhe, um die Schreibweise „Club“ als zu befremdlich und unzumutbar zu empfinden. Kurioserweise wurde den ansässigen Deutschen damit im gleichen Zuge Unterstützung bei der Verteidigung der eigenen Identität geboten. Unser Vereinsnamenswesen erhielt ein Stückchen slawische Abwehrhilfe! 5. Als mehr oder weniger eigenständiges politisches Gebilde hatte man freie Bahn für kulturelle Alleingänge. Das ist der Grund dafür, warum solche Zustände im Grenzgebiet zu Polen nicht auftraten. Dort überwog einfach die Verbundenheit mit den Sitten im restlichen Deutschland. 6. Ja, und über diesen Bogen lassen sich wahrscheinlich auch die österreichischen Verhältnisse begründen. Österreich verzeichnet(e) durch die großräumige „k. u. k. Monarchie“, durch frühere Zuwanderung und durch die geographische Lage inmitten von slawischen Ländern (Ungarn zählt zwar nicht dazu, hat in seiner Sprache aber genauso das K als K-Laut und das C als verbindlichen Z-Laut) ebenfalls einen slawischen Anmischungsgrad, der sich aufgrund der staatlichen Unabhängigkeit von Deutschland auch zum Ausdruck brachte und bringt. Die Gradhöhe reichte jedoch nur für eine durchwachsenere Stufe, verglichen mit dem Sudetenland.





Nun zu Deutschland. Vier Spitzenklubs sind der Meinung, daß ihre maßgeblichen Vorläufer den Bezeichnungsnamen „FK“ getragen hätten, Fortuna Düsseldorf, Darmstadt 98, Carl Zeiss Jena und der VfR Aalen (s. „Namentliche Werdegänge“), zudem Saar 05 Saarbrücken. Nachtigall, ick hör dir trapsen - schonmal an die oben beschriebene K-Verführung gedacht? Auch das angeblich erhöhte Vorkommen alt-elsässischer Vereinsnamen vom Schlage Straßburger FK, FK Schiltigheim, FK Mars Bischheim usw. wirkt, so schön wie es ist, doch unglaubwürdig. Sinnbildlich für die einstige Vagheit stehen die ehemaligen Wappen des SC Uelzen 09 und des SC Stadtilm, auf denen tatsächlich „Sportklub“ zu lesen war, genau wie beim zwischenzeitlichen SK Schwarz-Weiß Essen, weshalb dieser Name mit Fragezeichen versehen werden muß. Gesichert sind dagegen die Gauligisten SK Komet Hammerbrook und Rothenburgsorter FK. Sie wurden allerdings zusammen mit ihren Stadtteilen in einer 1943er Sommernacht ratzekahl weggebombt, gingen daraufhin beide in TuS Hamburg 1880 auf. Deutlicher gestaltet sich die Lage, wenn die Namensvergabe vom Staat verwaltet wird. So genehmigte das NS-Regime bei der Eindeutschung Luxemburgs ausschließlich die K-Schreibweise (Bsp.: SK 07 Differdingen, FK Junglinster, FK Niederkorn). Und der DDR-Klüngel baute die Armee-Mannschaft ZSK / ZASK / ASK Vorwärts Berlin + erst planmäßig zum Meisterklub auf, um sie dann wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen. Im Nebeneinander mit einigen SCs und FCs scheiterte also sogar das so sehr um Einheitlichkeit bemühte System DDR daran, ein und das selbe Wort immer gleich zu schreiben; auch in der Namenslaufbahn von Hansa Rostock gab es da mal einen kurzen Seitensprung. Aber halten wir doch lieber weiter nach freiwillig-wackeren „Klubs“ Ausschau. FK Pirmasens und Lüneburger SK, Euch gilt das größte Lob! Mit diesen Namen in zwei Mittelstädten die „Stadtvereine“ darzustellen, das ist schon ein bockstarker Verdienst um unsere Fußballkultur! Beide strahlten auch auf ihr Umland aus (FKP: FK Clausen, FK Petersberg, FK Windsberg +, FK Zweibrücken +; LSK: Bleckeder SK +, Dahlenburger SK, Vastorfer SK). Daß der LSK auf die Idee kommen konnte, mit einem LSV zum FC Hansa zu fusionieren, bleibt zwar unent­schuldbar, doch drehte man das Rad bisher wenigstens zu „Lüneburger SK Hansa“ wieder zurück. Es wäre sonst der wohl namentlich schwerste Einzelverlust überhaupt aller Zeiten gewesen. Auch die jemals haarsträubendste bloße Umbenennung (!) vollzog sich 2010 im Club/Klub-Sektor: Von „FK 1906-Südring Selb“ (Fusionsverein aus 1.FK Selb 09 und „TSV 1906-Südring Selb“) zu FC Selb +.


Im Anschluß folgt eine Übersicht sämtlicher derzeitiger „Klubs“ des deutschen Fußballs. Auch anderthalb hoffnungslos für die Wahrheit kämpfende Schweizer Vertreter sind aufgenommen (schräggestellt). Die Gesamtzahl liegt so niedrig, daß wir Klubs ohne Spielbetrieb besser mit auflisten (Kreuzchen). Zwar mögen uns noch andere Vereine begegnen, die an letzter Stelle des Bezeichnungsnamens ein K führen, doch steht dieses dann nicht für „Klub“. Von den klar umrissenen DJKs abgesehen ist dies bei gut einem Dutzend weiterer falscher Fuffziger der Fall; zu erwähnen sind da besonders die „Sportkameradschaften“ SK Fichtenberg, SK Hagenschieß und SK Theißing. Geographisch liegen die „Klubs“ quer über die Landesfläche verstreut, nur Rheinland-Pfalz tut sich als Hauptlieferant der FKs hervor. Im Angebot ist übrigens auch ein sudetendeutscher Vereinsname - Flüchtlinge setzten den einstigen BSK Gablonz in Kaufbeuren als BSK Neugablonz fort (der Wortname kam später fusionsbedingt hinzu). Gut, und bekommt das Häuflein der Aufrechten bald mal Verstärkung?! Will denn wirklich niemand solch scheppernde entstehende Kurzformen wie BFK, IFK, WFK besitzen? Würde beispielsweise ein „Ingolstädter FK“ nicht mehr Anmut versprühen als der grauenhafte FC Ingolstadt 04? Deutsche Auswanderer nannten ihre Vereine DFK Montevideo + (Uruguay) oder SK Windhoek (Namibia). Wo daheim auf Identität verzichtet und in der Fremde zu sich selbst gefunden wird, liegt einiges im Argen.


Name


bestehende Vereine (außerhalb Österreichs)


FK


FK Clausen,
FK Etzbach,
FK Ludwigshöhe +,
FK Petersberg,
FK Pirmasens,
FK Phönix Regensburg,
FK Spaichingen 75,
FK Windsberg +,
FK Hansa Wittstock,
FK Schwampel (ohne Ortsname, aus Stuttgart; Freizeit-Fußball),
FK Austria Döbeln (tatsächlich in Deutschland; Freizeit-Fußball)



SK


SK Bochum 11,
Dahlenburger SK,
SK 1990 Driedorf +,
SK Herbornseelbach,
SK Heuchling,
SK Lauf,
Lüneburger SK Hansa,
SK Root,
Vastorfer SK,
SK Weingarten,


anders


Berliner AK 07,
Brandenburger SRK,
STK Eilvese,
BSK Olympia Neugablonz,
ESK Biel (Freizeit-Fußball)







Bei der Gelegenheit können wir auch gleich noch einen Blick auf die entsprechenden Schreibweisen fremdländischer und latinisierter Wortnamen werfen. Alle Kandidaten treten im Grunde immer in beiden Erscheinungen auf, mit c oder k, bzw. vor e und i mit c oder z. Je nach Sachbereich verschiebt sich der Schwerpunkt dabei deutlich: Schlagwörter werden vorwiegend im ursprünglichen Antlitz belassen (Concordia, Constantia; Amicitia, Celeritas, Excelsior), Naturbegriffe wandeln auf der Kippe (Mercur/Merkur, Comet/Komet), heimische Volksstamm-, Gebiets- und Individuennamen möchte man schon im vertrauten K-Stil sehen (Askania, Frankonia, Markomannia, Brukteria). Und die römische Siegesgöttin wird weit mehrheitlich das kleine bißchen zu „Viktoria“ eingedeutscht. Die beiden einzig bedeutenden Namen Concordia und Viktoria stehen sich also zerstritten gegenüber. So gern wir unseren Vereinsnamensschatz auch über den grünen Klee loben - dieses Mißverhältnis hätte den früheren Fußballfreunden auffallen können (und dasjenige bei „FC/SC Viktoria“ sowieso). Wobei sich die Sache eh bald erledigt haben wird; in Anbetracht der aufgezählten Namen hätten die Ausführungen jetzt schon zutreffender in der Vergangen­heits­form geschrieben werden müssen. Bemerkenswert ist noch, daß sich die Wortnamenklubs genau wie die Clubs/Klubs in kontrollierter Beliebigkeit üben. Concordia Plauen hieß mal „Konkordia“, Comet Kiel hieß mal „Komet“, Viktoria 89 Berlin, Viktoria Wien +, Viktoria 03 Einsiedel, Viktoria Frankfurt/Oder + hießen mal „Victoria“. Und Viktoria Aschaffenburg war bis vor kurzem jahrzehntelang falsch mit c im Vereinsregister verbucht ...