V E R E I N S N A M E N . D E

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Beeinflussung der Vereinsfarben    • Namensdarstellung in Wappen    • Hauptanfeuerungsrufe
Formale Zusätze    • Namensverbote    • Spitznamen    • Namenskultur und Volksaustausch




Beeinflussung der Vereinsfarben durch den Vereinsnamen



Name, Farben, Wappen - das ist die heilige Dreieinigkeit eines Fußballvereins. Das Wappen kommt an dritter Stelle, denn es kann nicht angefertigt werden, ehe die beiden anderen Komponenten feststehen. Zwischen Name und Farben gibt es dagegen grundsätzlich keine enge Beziehung. In bestimmten Fällen wirkt sich der Vereinsname aber doch auf die Wahl der Vereinsfarben aus.



Wenn sich ein Klub nach einem Gebiet benannt hat, eignete man sich oft passend dazu die Territoriumsfarben als Vereinsfarben an. Besonders augenscheinlich wird dies bei außergewöhnlichen Farbkombinationen wie dem Blau-Orange von Oranien Frohnhausen, dem Gelb-Weiß von Schlesien Haynau + oder dem Rot-Grün-Weiß von Anhalt Dessau +. In der Gründerzeit wählten Germania-Namensträger auffallend häufiger als andere Klubs die Farben der damaligen Nationalflagge, Schwarz-Weiß-Rot. Vereine, die sich „Preußen“/„Borussia“ nannten, hüllten sich fast immer in die entsprechenden Farben Schwarz-Weiß, auch wenn gerade die bekanntesten Vertreter dies nicht vermuten lassen (Borussia Mönchengladbach nahm das Grün aber erst später hinzu, bei Preußen Münster war es allerdings von Anfang an dabei, „Tennis Borussia Berlin“ tauschte irgendwann Schwarz gegen Lila, Borussia Dortmund benannte sich ohnehin mehr nach der Brauerei als nach dem Land, Borussia Fulda ist als Fusionsverein nicht bewertbar, Preußen Dellbrück brachte das Schwarz-Weiß in Viktoria Köln ein, bleiben nur Borussia Neunkirchen und der BFC Preussen als Musterbeispiele). Auf dem Bild sehen wir Gladbacher Fans beim Meisterjubel 1971 mit zweifarbigen Fahnen - noch ohne Grün.




Die zweite wichtige Gruppe stellen gewisse Hausfarben vieler der DDR-Trägerverbände dar. Chemie-Vereine führten regelmäßig die Farben grün-weiß, Dynamo-Vereine weinrot-weiß, Empor-Vereine blau-weiß, Rotation-Vereine schwarz-weiß, Fortschritt-Vereine blau-rot, Lok-Vereine schwarz-rot, Aktivist-Vereine schwarz-gelb, Turbine-Vereine blau-weiß, Vorwärts-Vereine rot-gelb. Ausnahmen bestätigen die Regel. Außerhalb der DDR erstrecken sich Hausfarben selbstredend auch auf Postsportvereine (schwarz-gelb oder blau-gelb) und Polizei-Sportvereine (grün-weiß, in Österreich meist rot-weiß). Seitdem die Polizeien, bis auf die bayrische, von Grün auf Blau umgestellt haben, erteilen die etwas bedröppelten Polizei-Sportvereine mit ihren grün-weißen Vereinsfarben unfreiwillig Geschichtsunterricht.


„Vereinsnamen gemäß den Vereinsfarben“ gibt es im Komplettpaket zusammen mit den Vereinsfarben. Der Name kann hier nicht zuerst dagewesen sein, die Farben hingegen schon, aber beides entwickelt sich gern auch gemeinsam und marschiert dann händchenhaltend in die Statuten ein. In Österreich ist allem Anschein nach ein andersartiges, ziemlich (irr)witziges Komplettpaket unter Führung des Vereinsnamens herumgereicht worden: Mit Zufall läßt es sich kaum mehr erklären, daß von den acht Austrias fünf in Lila-Weiß gewandet sind. Austria Salzburg, Austria Klagenfurt, Austria/Puch Graz und Austria Kapfenberg hatten sich vermutlich gleich in beiderlei Hinsicht Austria Wien zum Vorbild genommen. Und dabei handelt es sich bei Austria sogar um einen Gebiets­namen, der ja eigentlich schon von sich aus eine bestimmte Farbkombination vorgäbe, nämlich das Rot-Weiß Österreichs, aber danach fahndet man auch bei den übrigen drei Klubs vergeblich ...