V E R E I N S N A M E N . D E

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Club vs. Klub    • Phänomen Kleinbuchstaben im Kürzel    • Fusionsergebnisse
Willkür und Schicksal    • Erfinder bzw. Einführer    • Traditionsreichste Namensträger
Beeinflussung der Vereinsfarben    • Namensdarstellung in Wappen    • Hauptanfeuerungsrufe
Formale Zusätze    • Namensverbote    • Spitznamen    • Namenskultur und Volksaustausch




Formale Zusätze zum Vereinsnamen



Schon bevor die Rechtsform „eingetragener Verein“ mit Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs im Jahr 1900 entstand, konnten Vereine eine vergleichbare Rechtsform erlangen. Dafür gab es noch keine einheitliche Bezeichnung; rückblickend spricht man von „altrechtlichen Vereinen“. Diese Ernennungen sind nach wie vor rechtsgültig! 24 Turnvereine führen sie bis zum heutigen Tage, zehn davon betreiben eine Fußballabteilung. Ja da haben wir sie, die Steigerung von „Traditionsverein“! Gut beteiligt ist das Rhein-Main-Gebiet. Sonderliche Vorteile sind mit dem altrechtlichen Status eigentlich nicht verbunden, eher Schwierigkeiten, da z.B. die Verschmelzung mit einem „eingetragenen Verein“ untersagt ist (weshalb der „TV Jahn Remscheid Korporation“ * sich 2014 auflöste und seinen Mitgliedern den Übertritt zum Remscheider SV * empfahl). Ganz witzig übrigens, daß lückenhaft kundige Sporthistoriker in ihren Listen immer wieder von einem „Stettiner TV Korporation“ + schreiben, weil sie „Korporation“ als Wortname einordnen ...


Rechtsformbenennung


bestehende Vereine


a.V. (= anerkannter Verein)


TG 1837 Hanau


Corp. / Corporation


TSG Hechtsheim,
TG 1847 Nieder-Ingelheim *,
MTV Vater Jahn Peine


C.R. (= Corporationsrecht)


MTV 1846 Gießen


j.P. / J.P. (= juristische Person)


TV Biebrich 1846 *,
FTG Frankfurt *,
Frankfurter TV 1860 *,
TV 1860 Hofheim *,
TV 1844 Idstein,
TSV Sachsenhausen 1857 *,
TG Schierstein 1848 *,
TV 1861 Schwalbach *,
Wandsbeker TB *,
TB Wiesbaden *,
TuS Eintracht Wiesbaden *


Korp. / Korporation


Barmer TV 1846,
Berliner Turnerschaft *,
TSC Eintracht 1848/95 Dortmund,
Merscheider TV 1878 *,
TG 1848 Osthofen *,
TSV Bildung Peine


r.V. (= rechtsfähiger Verein)


HT 16 Hamburg,
TuS Hamburg 1880




Vereine in der Schweiz erwerben die Rechtsfähigkeit kraft ihrer ordnungsgemäßen Gründung. Österreichische Vereine müssen sich hierzu zwar im Vereinsregister eintragen lassen, bekommen dafür jedoch keinen Namenszusatz ausgestellt, was bedeutet, daß sie auch keinen führen dürfen. Nur in Deutschland kennt man als sichtbares Zeichen der durch Aufnahme ins Vereinsregister am Amtsgericht erlangten Rechtsfähigkeit das Prädikat „eingetragener Verein“ (e.V.). Vom DFB wird diese Rechtsform bei den am Spielbetrieb teilnehmenden Klubs gewünscht. Zur Frage, ob das „e.V.“ an einer bestimmten Stelle im oder am Vereinsnamen unterzubringen sei, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Schlüssig ist der Standpunkt, den Vereinsnamen immer vor dem formalen Zusatz als beendet zu betrachten. Demnach heißen z.B. die Klubs „SC Borussia 04 e.V. Fulda“ und „TuS 1890 e.V. Koblenz-Niederberg“ eigentlich nur „SC Borussia 04“ bzw. „TuS 1890“ (wobei sich die tatsächliche Auswirkung solcher Genauigkeiten in Grenzen hält). Bei manchen Äußerungen des Vereinslebens kommt das „e.V.“ weniger zum Vorschein, bei anderen - wie Briefköpfen, Wimpeln, Wappen - sehr oft. Da im sportlich höherklassigen Bereich die Ernsthaftigkeit kaum zu bezweifeln ist, wird dann wiederum vermehrt darauf verzichtet. Nennenswerte Klubs mit „e.V.“ im Wappen sind lediglich noch Kickers Offenbach, VfL Osnabrück, Darmstadt 98, Rot-Weiß Oberhausen, SC Paderborn, Eintracht Braunschweig. Bayern München entfernte es Anfang des Jahrtausends wegen „internationaler Unverständlichkeit“.





Rechtlich gesehen ist das „e.V.“ bei den meisten Toppklubs mittlerweile aber tatsächlich fehl am Platz, denn in den vorderen Ligen gliedern die Vereine nach und nach ihre Profi-Abteilungen aus, um sie in Kapital­gesellschaften zu überführen. Mit Hilfe dieser Zweigleisigkeit kann sowohl der Spitzenfußball wirtschaftlicher als auch der Breitensport gemeinnütziger gestaltet werden. Selbst von den sechs aufgezählten Klubs mit „e.V.“ im Wappen spielen drei gar nicht mehr als solche. Eigentlich dürfte es im oberen Bereich heutzutage überhaupt keine Vereine geben, auch nicht als zurückgebliebene Anteilseigner an Kapitalgesellschaften, zu stark laufen die Umsatzhöhen dem Grundgedanken des ideellen Zwecks zuwider. Aber diese Rechtsbrüche werden von den Amtsgerichten geduldet. Wenn wenigstens die Ausgliederung erfolgt, kommen dafür drei Rechtsformen in Betracht: „AG“ (= Aktiengesellschaft; bisher nur bei Bayern München, Eintracht Frankfurt, dem Hamburger SV und den Würzburger Kickers), „GmbH“ und vor allem „GmbH & Co. KGaA“ (= Gesellschaft mit beschränkter Haftung und Komplementär, Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis). Anders als in der Schweiz, wo Erstligisten zwingend AGs nach Schweizer Recht sein müssen, macht der DFB aber keine Vorgaben. Für Fans und Beobachter haben diese Formalitäten insofern eine Bedeutung, als daß sich die Möglichkeiten der Einflußnahme verändern (bei Kapitalgesellschaften gibt es keine Mitgliederversammlungen). Am Sprachgebrauch ändert sich indessen nichts. Den Bezeichnungen der neuen Rechtsformen wird genauso wenig Beachtung geschenkt wie dem „e.V.“ der Stammvereine.



Formale Zusätze anderer Art können sich aus dem exakten Wortlaut der Vereinsnamen in den Satzungen ergeben. Mitunter trifft man dort auf Namensbestandteile, die im Alltagsgebrauch nie zur Geltung kommen. Insbesondere handelt es sich dabei um Erwähnungen von Vorgängerklubs, wie die folgenden Beispiele zeigen: Bonner FV + = „Bonner Fußballverein 1901 (Vereinigter B.F.V. und F.C. Germania)“; SB Versbach = „SB (DJK; TSV; SKC) Versbach“; SC Herford = „Sport-Club Herford - VfB Einigkeit 07 / Spielvereinigung Union 08 / Herforder Sport-Club 07/08 / Spiel und Sport 1928“. Ob vielleicht auch Spitzenklubs derlei Überraschungen bereithalten, verrät uns die Rubrik „Namentliche Werdegänge“.