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Bezeichnungsname versus Wortname



Bezeichnungsnamen und Wortnamen kann man nicht so einfach über einen Kamm scheren. Wortnamen gelten volkstümlich als die „eigentlichen“ Vereinsnamen, das stellen z.B. Suchmaschinen oder die (hundsmiserable) Wikipedia-Seite zu „Fußballvereinsname“ unmißverständ­lich klar. Keine Frage, sie sind anschaulich, einprägsam und liebenswürdig. Trotzdem befinden sich die Träger der Wortnamen so eindeutig in der Minderheit, daß sie unmöglich die Wahrheit für sich gepachtet haben können. Aber worin liegen dann die Vorzüge der Bezeichnungsnamen?


Volkstümlichkeit hin oder her, für den ersten Verein vor Ort gibt es keine Notwendigkeit, sich mit einem Wortnamen zu schmücken. „Fußballverein Musterstadt“ o.ä. reicht als Aussage vollkommen aus. Deshalb herrschen die Bezeichnungsnamen auch überall dort vor, wo sich nicht mehrere Klubs den Ortsnamen zu teilen haben. Schon der zweite Verein sieht sich aber vor der Aufgabe, einen Namen zu küren, der sich deutlich vom anderen unterscheidet. Im Rahmen des Viererblocks FC/FV/SV/SC steht - ohne Ergänzungen oder Umstellungen - nur noch ein Name zur Auswahl, der nicht bereits eine 50%ige Überschneidung mit sich brächte. Dank dem gut entwickelten deutschen Vereinsnamenswesen würden auch noch die nächsten zwei, drei Vereine taugliche Kürzel abkriegen, spätestens in den Großstädten ist dann aber der Punkt gekommen, an dem auf Wortnamen ausgewichen werden muß. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Überflüssigkeit und Erfordernis führt auf der ganzen Welt zwangsläufig zum natürlichen Dualismus aus Bezeichnungs­namen- und Wortnamenklubs. Anders kann es gar nicht sein.


Entsprechend dieser Schilderung gruppieren sich beide Arten von Namensträgern zu zwei grund­verschiedenen Lagern. Bezeichnungsnamenklubs erheben namentlich viel mehr den Anspruch, ihren ganzen Ort zu vertreten. Nicht nur daß bei ihnen der Ortsname im Vereinsnamen optisch das größere Gewicht erhält, auch inhaltlich scheint sich die gesamte Einwohnerschaft dahinter zu versammeln. Ein „FC Musterstadt“ mutet wie der größte, beste, älteste, beliebteste, vielleicht sogar einzige Klub aus Musterstadt an. Anders „Rot-Weiß Musterstadt“, das sich auf den ersten Blick eher gegenüber anderen Musterstädter Klubs abgrenzt, anstatt als „Stadtverein“ aufzutreten. Gut zu erkennen ist diese Tragweite besonders bei vielen bekannten Derby-Gegnerschaften im Ausland. Das lupenreinste Beispiel bietet das Verhältnis zwischen dem Dundee FC und dem Dundee FC United in Schottland. Sportlich ins Hintertreffen geraten, weiß sich ersterer Klub gegen den zweiten zu wehren, indem er für sich die Umgangsbezeichnung „Dundee“ pflegt („Dundee Stadiums“ gugeln). Schon 1898 ging bei Teutonia Zuffenhausen die Angst um, als weitere Fußballfreunde die Gründung eines FV Zuffenhausen vorbereiteten. Mit welchen Mitteln auch immer, Teutonia schaffte es, den Namen FVZ zu verhindern, um stattdessen die Gründung von Viktoria Zuffenhausen mitanzusehen. Beide Klubs hatten nichts Eiligeres zu tun, als sofort gegeneinander um das Recht zu spielen, den Namen FV Zuffenhausen führen zu dürfen - Teutonia gewann und benannte sich um ... Die ureigene Ausdrucksstärke der Wortnamen gerät also auf einer anderen Ebene postwendend zur Ausdrucksschwäche. Mit den Tatsachen muß dieser Grundsatz gar nicht übereinstimmen. Wortnamenklubs können vor Ort auch die älteren, erfolgreicheren Vereine sein, aber auf Anhieb wirken sie halt nicht so. Aufgeweicht wird der Unterschied höchstens durch sehr groß­spurige Wortnamen wie z.B. „Eintracht“ (versinnbildlicht selbst eine Kräftevereinigung) oder „Bayern“ (tritt gewissermaßen über die Ortsgrenzen hinaus).



Wie weit Bezeichnungs- und Wortnamen in den Köpfen der Leute auseinanderliegen, zeigt sich regelmäßig im Zuge von Fusionen. Da wird es aus Gründen der Tradition kaum in Erwägung gezogen, dasjenige Lager zu verlassen, zu dem der eigene ausklingende Verein gehört. Anhänger eines Bezeichnungsnamenklubs wollen keinen der ach so populären Wortnamen geschenkt bekommen. Drei Jahre nach der Fusion des Lüneburger SK zu Hansa Lüneburg lautete die vernichtende Erkenntnis: „Es war ein Fehler, der Stadt die drei Buchstaben LSK zu klauen“, „Der Name LSK ließ sich besser vermarkten“, „Ein unwohles Gefühl beim Aussprechen des Namens Hansa ist nicht zu leugnen“. Aus dem Umfeld von Hansa Rostock hat man Derartiges hingegen noch nie vernommen. Oder was schrieb der Liveticker zur Mitgliederversammlung 2013 des Wuppertaler SV Borussia: „Kein Torjubel war diese Saison so energisch wie der Jubel über die Streichung der Borussia aus dem Namen“, „Jetzt wird ‚Oh wie ist das schön’ gesungen“, „Der neue Vereinsname ab heute ist: Wupper­taler Sportverein. Dies bestätigt noch einmal Vorsitzender Mathies, was zu erneuten Jubelschreien der Anwesenden führt“. Um die Ecke in Dortmund oder Mönchengladbach wäre die Reaktion auf eine solche Änderung vermutlich anders ausgefallen …


Schauen wir uns als letztes Beispiel die wenigen Städte des deutschsprachigen Raumes mit zwei langfristig ebenbürtigen Klubs auf höherem Niveau an. Meist rangelt dabei ein Bezeichnungsnamenklub mit einem Wortnamenklub: FCZ vs. Grasshoppers in Zürich, GAK vs. Sturm in Graz, LASK vs. Blau-Weiß in Linz. Die letzte deutsche Stadt Würzburg mit dem Paar WFV/Kickers hat sich fast über Nacht im Schnellverfahren verabschiedet - sehr schade um den WFV. Und in allen Fällen genießen/genossen die jeweiligen Kontrahenten bis auf den letzten Prozentpunkt den gleichen Rückhalt in der Bevölkerung. Beide Arten von Vereinsnamen verhalten sich also zueinander wie glattes Haar zu Locken - trotz aller Verschiedenheit gibt es kein Besser und Schlechter!