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Namensaufbau: Der Ortsname



Namen von Fußballklubs im deutschsprachigen Raum setzen sich aus ein bis drei weiteren Bestandteilen und dem Ortsnamen zusammen.





Anmerkungen und Ausnahmen:


1. Neben Städten und Stadtteilen, Gemeinden und Dörfern können auch andere geographische Einheiten als Ortsname dienen (FC Angeln 02, SG Hoher Westerwald, „TSG Nordholz und Umgebung“). Den großräumigsten Namen trägt der in Bozen spielende FC Südtirol. In nördlichen Gefilden hatte man früher eine Neigung zu malerischen Ortsbestimmungen („FC an der Unterweser“ aus Bremerhaven, „Eisbahnverein vor dem Dammthor“ * aus Hamburg, „FT an der Kieler Förde“ aus Friedrichsort), jüngst neubelebt vom „FC an der Fahner Höhe“ aus Thüringen und von der „SG am Lichtenstein“ aus Franken; s. hierzu auch unter Drittens. Die SpVgg Harburg-Wien war nicht so ausschweifend gedacht wie es den Anschein hat, sondern ein Werksklub der „Gummiwaren­fabriken Harburg-Wien“ in Harburg.


2. Kommen zwei oder noch mehr Ortsnamen vor, wird zwischen sie ein Binde- oder ein Schrägstrich gesetzt, selten auch gar nichts (1.FC Mülheim-Styrum, FSG Dauborn/Neesbach, SV Wehen Wiesbaden). Beim Einsatz dieser drei Möglichkeiten besteht kein Zusammenhang mit den kommunalpolitisch-hierarchischen Ver­hält­nissen der betreffenden Orte. In anderen Fällen sieht man auf den ersten Blick zwar lediglich einen Orts­namen, ein weiterer ist aber mit seinem Anfangsbuchstaben in den Bezeichnungsnamen eingewandert. Als eigentlicher Ortsname tritt dann sowohl die kommunalpolitisch übergeordnete Ebene auf (Meidericher SpV Duisburg = MSV Duisburg, Barenburger SV Kickers Emden = BSV Kickers Emden, Zipsendorfer FC Meuselwitz = ZFC Meuselwitz), als dies auch die untergeordnete Ebene tut (Krefelder FC Uerdingen 05 = KFC Uerdingen 05, Hamburger SV Barmbek-Uhlenhorst = HSV Barmbek-Uhlenhorst, Berliner SC Rehberge = BSC Rehberge).


3. Bei einer Handvoll Vereine wird der Ort durch eine Präposition angebunden (VfB/Einheit zu Pankow, SpVg von Bürbach +, TV der Bahnhofsvorstadt Bremen *+, FC Deutschland in Röxe +). Einige ehemalige Turnvereine namens „Frisch Auf“ erzielten in diesem Zusammenhang lachhafte Ergebnisse (TV Frisch auf zu Crefeld, TV Frisch Auf zu Haintchen, TV Frisch auf zu Oberdresselndorf). Das „in“ war besonders unter den deutschen Prager Klubs geläufig (DFC in Prag, FC Sport-Favorit in Prag, FK Union in Prag).


4. Rund um den Ortsnamen kreisten in der Frühphase des deutschen Fußballs mehrere befremdliche Schreibweisen. Zu Zeiten, als die Vielfalt der Bezeichnungsnamen über FC hinaus noch nicht entwickelt und das Tragen eines Wortnamens der Normalfall war, hielt man bei den wenigen Bezeichnungsnamenklubs den Ortsnamen für die Entsprechung des Wortnamens, so daß er gar in Gänsefüßchen gesetzt wurde. Auch gab es die Praxis, den Ortsnamen als lediglich erläuternden Namensbestandteil mit Komma abzusetzen. Noch unverständlicher erscheint uns heute das Verfahren, hinter Schriftzügen des bloßen Vereinsnamens - z.B. auf Schildern oder in Wappen - zum Abschluß einen Punkt anzubringen (zumeist also nach dem Ortsnamen).


5. Es ist keine Pflicht, überhaupt einen Ort im Vereinsnamen zu führen. Im Satzungslaut fehlt er tatsächlich manchmal, z.B. bei Rapid Wien, Werder Bremen oder Borussia Mönchengladbach. Was sich die Vereine davon versprechen, bleibt ihr Geheimnis. Die „Spfr. kein Ort“ aus der Uckermark treiben diesen Unfug auf die Spitze. Andere Klubs wiederum verwenden den Ortsnamen nur ungefähr oder andeutungs­weise (Cöthener FC Germania 03 aus Köthen, TSV Duwo 08 aus Duvenstedt-Wohldorf, Paschlewwer SV aus Pasch­leben). Der hochklassig spielende SSV Jeddeloh II sowie TuS Senne I haben sich zwar lediglich nach den genauen Bezeichnungen ihrer Heimatorte benannt, können dergestalt aber natürlich schlecht in der Öffentlichkeit auftreten. Während der Teilung wurde in West-Berlin der VfB Pankow aufrechterhalten, wobei Pankow selbst zur DDR gehörte. Auf den Dressen des TSV Havelse steht traditionell mit „Garbsen“ ein falscher Ortsname. Und Tasmania, das Schlußlicht der Ewigen Bundesligatabelle, wechselt den Ortsnamen fast so häufig wie die Wäsche: Rixdorf, Neukölln, Berlin, wieder Neukölln, Gropiusstadt, wieder Berlin ...