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Regionale Unterschiede



Die Gepflogenheiten und Merkmale der deutschen Vereinsbenennung sind über das gesamte deutsche Sprachgebiet in schöner Einheitlichkeit verbreitet, so wie es sich für einen lebendigen, in sich geschlossenen Kulturraum gehört. Regionale Unterschiede, die man wahrzunehmen meint, liegen bei genauerer Betrach­tung meist weniger an den Vereins- als vielmehr an den Ortsnamen. Die nachfolgenden Ausführungen dienen daher zwar der Abrundung des Themas, sind jedoch nicht als sonderlich bedeutsam anzusehen.



In Berlin hat der großstädtische Unterscheidungszwang, gepaart mit einem guten Schuß Kreativität, praktisch die komplette Bandbreite entstehen lassen. Wer in der Berliner Fußballgeschichte herumwühlt, wird alles finden, was das Herz begehrt. Rapide und Vorwärts vermißt man jetzt zwar schmerzlich, VfL und TuS gibt es nur bei fußballosen Vereinen (abgesehen vom jüdischen TuS Makkabi), VfR und TuRa sind verschwunden, aber ansonsten hält sich das Kaleidoskop zwischen den unzähligen Ausländervereinen bis heute. Ziemlich oft steht der Ortsname vorneweg. Besonders war dies in der Gründerzeit so, als „TuFC“ (Thor- und Fußballclub) auch noch eine Berliner Eigenart darstellte.


Kunterbunt geht es ebenso in den fünf ostdeutschen Flächenländern zu. Wiederaufgenommene Namen aus der Vorkriegszeit, beibehaltene DDR-Namen und Schöpfungen seit der Wende geben sich hier die Klinke in die Hand. Letztere Gruppe besteht weit überdurchschnittlich aus „Vereinsnamen gemäß den Vereinsfarben“. Jahreszahlen aller Epochen treten extrem häufig auf, sind aber selten so stark geprägt, daß sie allein beim Ortsnamen stehen könnten. TuS macht sich rar (in Sachsen und Sachsen-Anhalt je 10 x, in Brandenburg 4 x, in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen je 1 x). Zumal Fusionsvereine regelmäßig eher nüchterne Namen erhalten, versinkt die lebhafte Namenslandschaft indessen unaufhaltsam im Strudel des starken Bevölkerungsschwunds.




Für Norddeutschland ist „TuS“ neben „SV“ wiederum der typischste Vereinsname. Dazu kommt aber auch noch „TSV“, obwohl das so denkbar schlecht zu TuS paßt. Bezeichnend sind da die Klubs der Ostfriesischen Inseln von West nach Ost: TuS Borkum, TSV Juist, TuS Norderney, TSV Langeoog, TuS Wangerooge ... Jahreszahlen wurden im Norden schon immer hervorragend geprägt (Bergedorf 85, Altona 93, Bremerhaven 93 +, Hannover 96, Göttingen 05, Schleswig 06, Eutin 08, Flensburg 08). Ansonsten erreicht hier die maßlose Verachtung für den lapidarsten Namen „FV“ ihren deutschland­weiten Höhepunkt. In ganz Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen kriegt man nicht mehr als drei Vereine zusammen, darunter als renommiertesten den Habenhauser FV (mehr dazu unter „Zeitgeschehen / Ablehnung von FV“).


Der Westen mit seinem Großstadt-Reichtum ist ein Schlaraffenland für Vereinsnamensfreunde. Da fällt es einzelnen Namen schwer, noch hervorzustechen und für ein Charakteristikum zu sorgen. Bemühungen in diese Richtung zeigen „Verein für ...“, „Ball-“, „Spiel-“, „SuS“, „TuRa“, „DJK“, „Preußen“, „Borussia“ und „Arminia“. Mehr und mehr geht das deutsche Vereinsnamenswesen hier aber an der Flut von Ausländer­vereinen zu Grunde.




Im Südwesten haben „TuS“ und „FV“ Hochburgen. Zählen wir ruhig auch Baden mit zum Südwesten, denn nirgendwo sonst weiß man FV so zu schätzen wie hier. „FG“ und „FVgg“ sind zwar vornehmlich südwestliche Erscheinungen, die aber auch hier alles andere als gebieterisch auftreten. Hessen, das gilt auch noch für den Norden Baden-Württembergs, beherbergt in seinen Grenzen viele Vereine mit einem „K“ (Kultur-) oder „G“ (Gesangs-) im Kürzel des Bezeichnungsnamens, z.B. KSV, SGV, SKG. Zwecks besserer Kontrolle wollte die amerikanische Besatzungs­macht in der Nachkriegszeit jeweils alle Freizeit­beschäfti­gungen unter einem Dach vereint sehen. Ferner ist in Hessen ein Teutonia-Nest ansässig (s. „Zeitgeschehen / Rettet Teutonia“). Der rheinland-pfälzische Verband Rheinland bekleckert sich als Seuchenherd der vereinsnamen-vernichtenden, mehrere Klubs umfassenden Spiel­gemeinschaften nicht mit Ruhm.


Deutschlands Süden scheint sich vergleichsweise wenig für Vereinsnamen zu begeistern. Die großflächig ländliche bis kleinstädtische Siedlungsform läßt hier einen Mangel an Wort- und Jahreszahlennamen zu. Sogar für „Vereinsnamen gemäß den Vereinsfarben“ reichte selten der Mut. Auch die Bezeichnungsnamen strotzen nicht gerade vor Abwechslung, aber immerhin bilden „TSV“, „SpVgg“, „FC“ und in Bayern noch „DJK“ (nebst dem obligatorischen „SV“) eine sehr kontrastierende Führungsgilde. TuS hat hier gegen TSV einen schweren Stand. Aufgrund der allgemeinen Leidenschaftslosigkeit wurde bisher selbst die Hintanstellung des Kürzels kaum in Erwägung gezogen.




Daß Österreich mehr vom Durchschnitt abweicht als alle deutschen Regionen, verwundert bei einem eigenen Staat nicht. Auffälligstes Merkmal ist die K-Schreibweise von „Club/Klub“. Während das Gefecht zwischen SC und SK unentschieden steht, kauert FK trotz des Einheizers FK Austria Wien aber auch hier am Boden. Auf die Voranstellungen „Athletik-“ und „Arbeiter-“ hat Österreich nahezu das Monopol (s. „Geschichtswerke / Holzweg Arbeiterfußball“). Obwohl viele deutsche Bezeichnungsnamen fast oder ganz ausfallen, so TSV, FSV und alle drei Gruppen von Bezeichnungsnamen mit Kleinbuchstaben (außer TuS/ATuS in Kärnten und in der Steiermark, dort entsprechend flatterhaft geschrieben), ist das Spektrum doch erstaunlich vielfältig und dennoch stark mit dreistelligen Kürzeln bestückt. Auf penetrante Art zwängen sich zahlreich Hinweise auf die Mitgliedschaft im Dachverband „Sportunion“ in die Vereinsnamen (z.B. in Form von USV, FCU, Union). Weitere Unordnung verursachen die wechselnden Sponsoren als offizielle Namensbestandteile. Wortnamen beschränken sich über Union hinaus im Grunde auf die größeren Städte - Tirol bringt etwa nur ganze zwei zu Wege - und halten sich dann meist in dem Rahmen, der durch die Spitzenklubs gezogen wird (Admira, Austria, Rapid, Sturm, Wacker). In Wien verläuft der Übergang zu den Pseudo-Vereinen mit ihren fürchterlichen Juxnamen fließend. Jahreszahlen stellen eine niemals richtig geprägte Randerscheinung dar (bedeutendste Klubs: Wiener FC 1898 +, FC Lustenau 07, Salzburger AK 1914), gelten aber als modisch, wenn man sich die 2011 (!) vorgenommene Umbenennung von Kapfenberger SV in Kapfenberger SV 1919 anschaut.


Kommen wir nun zu einem wahren Trauerspiel, der Vereinsbenennung in der deutschsprachigen Schweiz. Wenn sogar ein „SC“ sofort ins Auge springt, weil der gesamte Rest der Tabelle nach dem Schema „FC (Ortsname)“ gebildet ist, kann man dem schweizerischen Vereinsnamenswesen leider keinen kulturellen Wert zuschreiben. Schlappe neun Mal steht der Bezeichnungsname hintendran, selbst das totalitär herrschende FC tut dies einzig beim noch taufrischen Kellerämter FC. Ein „T“ für „Turn-“ ist vollends unbekannt, und sogar das „V“ für „Verein“ läßt sich kaum ausmachen, was wohl daran liegt, daß man sich in der Schweiz für die anderssprachigen Landesteile immer so verständlich wie möglich halten will. Dazu paßt auch der Stempel, den die anglizistischen Plural-Wortnamen aus den drei großen Städten dem schweize­rischen Fußball aufdrücken (v.a. Grasshoppers Zürich, Basler SC Old Boys, Berner SC Young Boys, Young Fellows Zürich +). Gründungsjahre verewigte man ursprünglich auch nicht im Namen, sie sind aber seit Jahrzehnten im Aufwind, so daß es inzwischen mehr gut geprägte Jahreszahlen als Wortnamen gibt (Bözingen 34, Bümpliz 78, Zug 94, Chur 97, Linth 04, Stettlen 08).


Der Vollständigkeit halber sollte man auch noch ein paar Worte zu den ehemaligen deutschen Ostgebieten verlieren. Sie wiesen einen zünftigen Querschnitt aller Namensgattungen auf. Beuthen 09 ist als Spitzenverein mit stark geprägter Jahreszahl zu nennen. Ost- und Westpreußen ließen es an Wortnamen zwar nicht missen, bevorzugten dabei aber Sonderanfertigungen (z.B. nur 2 x Germania, je 0 x Teutonia, Alemannia, Arminia). Vornehmlich in Pommern und Ostpreußen wurden bekannte Generäle per Vereinsname geehrt, und dies nicht nur von Militär-Sportvereinen. Sowohl im altpreußischen als auch im schlesischen Raum pflegte man einen gewissen Hang zu umständlichen Bezeichnungsnamen (Vgt. Spfr., BuEV, SuTV, SSVgg), bei denen man gerne wüßte, wie sie sich heute darstellen würden. Das Sudetenland bot ein ganz eigenes Namensspektrum, welches durch die K-Schreibweise von „Club/Klub“, die Voranstellung „D“ (für „Deutsche/r“) und das verschrobene Grundwort „-brüder“ gekennzeichnet war, ehe dort der gesamte Bestand in gleichgeschalteten „NSTGs“ versank.