V E R E I N S N A M E N . D E

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Einstieg    • Sammlung Bezeichnungsnamen    • Sammlung Wortnamen    • Vertiefungen
Namentliche Werdegänge    • Zeitgeschehen    • Vereinsnamen-Knigge    • Geschichtswerke



Klarheit beim Namensaufbau    • Ausschlußgruppen    • Sprachliche Einbindung
Konkrete Angleichungen    • Personenbenennung als Anhalt    • Die Wunschvorstellung
„Sündenpfuhl“




Personenbenennung als Anhalt



Zur Benennung von Menschen gibt es ein Werk an rechtlichen Vorgaben und ästhetisch-praktischen Ratgebern. Viele dieser Bestimmungen und Empfehlungen lassen sich erstaunlich gut auf Fußballvereine übertragen. Eine vollends dogmatische Umsetzung der folgenden Betrachtungen würde zwar zu einem gekünstelt aussehenden Gesamtergebnis führen, und einige Tipps schließen sich mitunter gegenseitig aus, aber wertvolle Anhaltspunkte sind es allemal.



Während für den Menschen der Familienname das vorgegebene Ausgangsmaterial des Namensaufbaus bildet, mit dem man zu arbeiten hat, ist dies für den Fußballverein der Ortsname. Anstößige Familiennamen kann man allerdings auf dem Amt ändern lassen. Auch manche Ortsnamen sind so häßlich oder unbequem, daß Hopfen und Malz verloren ist. Meist nicht mehr auswetzbar - wir reden hier von Männerfußball - sind Ortsnamen, die eine Bezeichnung oder einen Namen für weibliche Menschen beinhalten (welch krasser Gegensatz übrigens zur Wirkung von Wortnamen). Dann besteht die Möglichkeit, auf eine höhere oder niedrigere kommunalpolitische Ebene auszuweichen (Stadt/Stadtteil, Gemeinde/Dorf). Oder man greift auf Ortslagen, Kieze, Flurnamen, historische Namen, Mundartliches, Burgnamen, Neuzusammensetzungen, ja auch Phantasienamen zurück. Vorbildliche Arbeit leisteten in dieser Hinsicht z.B. die Vereine SG Chattengau, ASK Eichkogel, SU Rebenland, Rot-Weiß Wesermünde, SV Myllendonk +, SG Distelrasen, FSG Schleidörfer, allen voran der Eishockey-Altmeister SC Riessersee. Trotz der immensen lokalpatriotischen Funktion des Fußballs scheint es auf die Nennung der Stadt im Vereinsnamen tatsächlich nicht anzukommen. Das zeigen sowohl umkultete namentliche Stadtteilklubs wie Schalke 04, der FC St.Pauli und inzwischen der KFC Uerdingen, als auch die Beliebtheit jeglicher Spitzenklubs im weiten Umland, also bei Bewohnern anderer Städte. Selbstverständlich müssen auch Ersatz-Ortsnamen unbedingt auf dem deutschen Sprachmuster beruhen. Mit noch mehr kulturfeindlichen Erzeugnissen vom Schlage 1.FC Lola, FSG BraWie 08, Eintracht T.R.B., SV Vyma 97, FC OVI-Teunz, SV Gotano, SpVgg FAL, Kickers JuS 03, Germania Lapeka 94, SpVgg Coschwa, SG BaCraHeLo können wir sonst bald den Laden dichtmachen. Ein evtl. dem offiziellen Ortsnamen vorangestelltes „Bad“ gehört keinesfalls in den Namen eines Fußballvereins, denn das Kur-Angebot ist hierfür eine völlig belanglose Information. Löbliche Beispiele wie Doberaner FC, Union Bevensen und TuS Bodenteich befinden sich da aber leider in der Minderheit.


Als Vorname wird behördlicherseits nur anerkannt, was auch Vorname ist. Entsprechend bedienen wir uns im vorhandenen Fundus der Vereinsnamen. Um die fußballtypische Atmosphäre zu wahren, muß die Masse der Vereine wiederkehrende Namen tragen! Erst ein vertrautes Netz kann vereinzelte Sonderlinge als Salz für die Suppe durchgehen lassen. Bei den Bezeichnungsnamen heißt das z.B., sich mit den gängigen Grundwörtern zufriedenzugeben, anstatt ihnen ständig durch außergewöhnliche Begriffe (-ring, -union, -zentrum) oder den kompletten Verzicht zu entfliehen. Unter den Wortnamen sollten u.a. keine geographisch engbezogenen gewählt werden (Erzgebirge Aue, Wormatia Worms, Steilküste Rerik). Der Fußball ist auch ohne die Unterstützung durch andere Charakteristika der Gegend allgegenwärtig genug. Im Gegenteil, heimatlichen Marken sollte auch die Chance auf eine vom Sog des Fußballs unabhängige Selbstdarstellung gewährt werden. Für das Lokalkolorit ist ohnehin der Ortsname zuständig, der sonst unnötig gedoppelt würde. Die beliebten Benennungen nach Flüssen geben sich im Verbund mit einem allgemeinsprachlichen Wort schon wesentlich gefälliger (Edergold, Erftstolz, Lahnlust, Moselfeuer). Unter den Jahreszahlen sind die jungen Jahrgänge ein Graus, sofern sie vierstellig erscheinen. Eine einzige 2000er-Zahl vergiftet die ganze Tabelle. Das Ursprungskonzept, über die Jahreszahl mit der Zeit Ehrfurcht vor der Tradition einzufordern, wird dadurch vollkommen auf den Kopf gestellt. Und die beschworene Anfangseuphorie ist wohl oder übel eh irgendwann mal verflogen. Wenigstens haben die Anstifter FC Gütersloh 2000 und SC Wiedenbrück 2000 ihre Fehlleistungen eingesehen und rudern mittlerweile zurück, indem sie den Schwerpunkt auf den Bezeichnungsnamen verlagern bzw. die Zahl strichen. Nichtsdestotrotz braucht Kultur immer auch eine freie Gasse, um sich weiterentwickeln zu können. Die Früchte sind aber so gut abgeerntet, daß Vereinsnamen.de - über einige Klub-mit-K-Schreibweisen hinaus - lediglich drei taugliche Namen zu nennen wüßte, die es noch nie gab: Erstens „FTuS“ (Fußball-, Turn- und Sportverein), ausgeschrieben ziemlicher Mumpitz, als Kürzel aber gutaussehend, anfeuerbar und für Wappengestalter dankbarer Stoff. Zweitens „Aufstieg“, ein in Schriftbild, Aussprache und Klang tadelloses Schlagwort, das genauso wie Vorwärts und Sturm ein namentliches Eigenleben neben dem allgemeinen Sprachgebrauch führen würde. Drittens „Patronia“, ein hochgriffiges Kunstwort im Dunstkreis von Heimat und Heiligkeit.




Heutzutage erhalten Kinder andere Vornamen als die Generationen zuvor. Und doch finden sich immer Elternpaare, die gegen den Strom schwimmen und einen klassischen Namen vergeben, damit dieser nicht aus dem kollektiven Gedächtnis verschwindet. Ebenso können neugegründete und Fusionsvereine mit ihrer Namenswahl dazu beitragen, bestandsbedrohte Vereinsnamen zu erhalten. Unterstützung bräuchten die zusehends wegfusionierten Kürzel mit Kleinbuchstaben. Sie bilden den kulturellen Höhepunkt des deutschen Vereinsnamenswesens, wobei die Leistung nicht allein in den bloßen Erfindungen liegt, als noch mehr im flächendeckenden Durchmarsch einiger bestimmter, besonders gelungener Formen. Schon die Rückstufung vom standardmäßigen Volksgut hin zu Einzelfällen gilt es daher unbedingt zu verhindern. Für die sehr fußballnahen Namen SpVgg und VfR trägt der Fußball die volle Verantwortung, während TuS und VfL Angelegenheiten der gesamten Sportlandschaft sind; VfB, TuRa und SuS liegen auf halber Strecke dazwischen. Legten die Vereinsvertreter ihre sinnlosen Denkblockaden mal ab, würden sie erkennen, daß TuS und SuS im laufenden Fusionszeitalter ein wahrer Segen sind: Vor Ortsnamen-Ketten bieten sie nicht nur die kürzeste Aussprache, nein, sie lösen dann zudem gleich noch das quälende Problem der Kurzformenfindung! Schwer zu begreifen ist auch die große Abscheu vor dem Ballspiel-B, und das trotz des BV Borussia Dortmund (vielleicht wird der Bezeichnungsname hier von den Leuten gar nicht als solcher wahrgenommen, da der Vereinsname - ganz anders als beim FC Bayern München - nur selten im genannten Wortlaut auftritt). Wer sich nicht recht traut, einen dieser Namen anzunehmen, dem steht die Möglichkeit offen, sie zumindest nachrangig zusammen mit Wortnamen zu verwenden. Man kann das mit unmodernen Vornamen vergleichen, die Kindern als zweiter Vorname gegeben werden, um sie so über die schlechten Zeiten hinwegzuretten. Insbesondere für „FVgg“ (noch 9 x vorhanden) könnte das ein Zukunftsmodell sein. „Raspo“ (noch 4 x vorhanden) entspricht andererseits durchaus allen heutigen Wünschen, ist aber wohl einfach nicht bekannt. Unter den Wortnamen schwächeln zuvorderst diejenigen, die keinen Spitzenklub als Schutzherrn aufweisen können, also z.B. Germania, Teutonia, Viktoria, Wacker, Vorwärts (Wacker in Österreich ausgenommen).


Ohnehin empfehlen Ratgeber ja, Kindern keine Modenamen zu geben, weil sich sonst später die halbe Klasse gleichzeitig angesprochen fühlt. Wenn sich auf dem Rasen zwei Vereine mit dem selben Namen gegenüber­stehen, ist das sicherlich kein Weltuntergang, ganz identisch werden sie wegen der unterschiedlichen Ortsnamen sowieso nicht sein, aber ein bißchen ärgert man sich schon. Da nie absehbar ist, auf welchem Niveau der eigene Klub mal spielen wird, kann der Bezugsrahmen nur in der geographischen Umgebung liegen. Es ist also zweckmäßig, sich von der Nachbarschaft abzuheben. Ungeachtet dessen treffen wir im ländlichen Raum teilweise auf eintönige Meere aus SV oder TSV, in der Schweiz auf einen unfaßbar dumpfbäckigen FC-Einheitsbrei, und wundern uns, warum niemand daraus hervortreten möchte, obwohl es doch so einfach (gewesen) wäre. Die Erklärung liegt im Kirchturmdenken. Man hatte das Augenmerk nicht darauf gerichtet, sich von anderen Fußballvereinen der Umgebung abzugrenzen, sondern von andersartigen Vereinen aus dem eigenen Ort (Freiwillige Feuerwehr, Chor, Jagdgenossenschaft, usw.). Nur sei die Frage gestattet, ob denn das eine das andere wirklich ausschließt?! Selbst in höheren Gefilden, wo die Dauerkonkurrenz zum Zeitpunkt der Namensgebung gut abzuschätzen war, sind manche Kurzsichtigkeiten zu beklagen: Der SSV Ulm 1846 entschied sich ausgerechnet für das Kürzel, das schon der schwäbische Gegenspieler SSV Reutlingen trug; der SC Paderborn 07 macht der westfälischen Konkurrenz vom SC Preußen Münster die entstehende Kurzform SCP streitig; die fusionierte SpVgg Bayern Hof ist nun kaum noch vom fränkischen Erzfeind SpVgg Bayreuth auseinanderzuhalten (zumal auch beide in die Vereinsfarben schwarz-gelb gewandet sind); in Vorpommern eiferte der FC Pommern Greifswald + dem FC Pommern Stralsund nach (beide blau-weiß). Ein möglicherweise bewußtes Positivbeispiel liefert der Chemnitzer FC, vormals FC Karl-Marx-Stadt. Mit der Umbenennung der Stadt wäre plötzlich die entstehende Kurzform FCC wie beim FC Carl Zeiss Jena aufgetreten, hätte man das Kürzel nicht nach hinten beordert.




Personennamen, Vor- wie Nachnamen, müssen einstmals Bedeutungen besessen haben. Davon wollen wir nunmehr nichts wissen. Von einem Christian etwa erwartet niemand betonte Frömmigkeit, von einer Melanie niemand dunklen Teint, ein Herr Förster darf freizügig als Bäcker arbeiten, und ein Herr Schwabe aus dem Ruhrgebiet erregt auch wenig Aufsehen. Es bringt eben keinen Nutzen, Namen wörtlich auszulegen. Warum, verflixt, wird das heutzutage bei Benennungen von Fußballvereinen jedoch getan?! Eine Gründungsversammlung nach der anderen geißelt sich selbst mit dem wahnwitzigen Gedanken, der Vereinsname müsse den Vereinszweck so exakt wie möglich widerspiegeln. Übrig bleiben dann regelmäßig nur SC, SV, Sportfreunde, bei reinen Fußballklubs FC, 1.FC, FSV (FV, FK und SK werden ja aufgrund anderer Psychosen gemieden). Dieses unterirdische Kulturverständnis macht umso ratloser, als die allbekannten Spitzenklubs uns genau das Gegenteil vor Augen führen, indem sie nämlich unter allen Namen guten oder schlechten Fußball spielen. Zwischen „Eintracht“- und „Fortuna“-Namens­trägern lassen sich doch keinerlei meßbare Unterschiede hinsichtlich harmonischer Verbundenheit oder glücklicher Begünstigungen nachweisen. Die „FCs“ haben außer Fußball längst weitere Sparten im Angebot, während die „SVs“ ihre Profikicker ohne Gewissensbisse in rein fußballerische Kapitalgesellschaften ausgliedern. Eine Vereinsbenennung verlangt nach Anmut, Kulturbewußtsein, Quelle für Identität, Unterscheid­barkeit, nach dem puren Namenserfordernis - aber nicht nach Erbsenzählerei. Deshalb können wir ganz beruhigt z.B. den Namen „TuS“ vergeben, obwohl Turnen mittlerweile unter Sport fällt, oder „VfR“, auch wenn noch rasenferne Abteilungen geplant sind, „Germania“, ohne daß man zum ständigen Singen der Nationalhymne genötigt wäre, und „Vorwärts“, um uns wie jede Mannschaft gegen einen stärkeren Gegner dennoch hinten reinzustellen. Wer seine Freiheit nicht genießt, hat keine.


Im Personenstandsregister beim Standesamt und im Personalausweis werden Namen von Menschen verbindlich erfaßt und wiedergegeben. Auch Fußballvereine tun gut daran, sich namentlich eindeutig festzulegen und darzustellen. Schaut man sich allerdings ihre Netzseiten an, stößt man dort nicht selten auf drei oder noch mehr verschiedene Eigenschreibweisen (z.B. SpVgg/SPVGG/Spvgg., Blau-Weiß/Blau-Weiss/Blauweiss). Oft ist nirgends, weder in der Satzung noch im historischen Abriß, weder im Mitgliedsantrag noch im Impressum die ausgeschriebene Fassung des Bezeichnungsnamens hinterlegt. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie groß die Unsicherheit über den Vereinsnamen dann bereits unter den Mitgliedern und im Umfeld sein muß. Beim 1.FC Kronach 08 verschludert man ständig das „1.“, sein zerstreuter Vorsitzender ließ den Weißenborner SV als „WSV Weißenborn“ eintragen, die SV („Spielvereinigung“) Holzwickede + untermauerte durch die Farbgebung der Sitzschalen den Glauben „der HSV“ zu sein, in der Satzung des VfL Germania Frankfurt 1894 können aus „Leibesübungen“ schonmal „Leibeserziehungen“ werden, „Fußball beim FVgg Kickers 06 Aschaffenburg“ und „Willkommen beim SuS Kaiserau“ (SuS = „Spiel- und Sportvereinigung“) heißt es in der Kopfleisten der Netzauftritte dieser Klubs, die SpVgg Rot-Weiss Speyer verkauft sich in ihrem Wappen grotesk unsinnig als „SPvGG“, SuS Oespel-Kley („Spiel- und Sportgemeinschaft“) veröffentlichte eine Anzeige als „Spiel- und Sportverein“, durch das Stadion der Spfr. Siegen schallt es „Hier regiert der SFS“, die SV Mattersburg („Sportvereinigung“) und sogar die SG Minerva Zerpenschleuse pinselten sich in großen Buchstaben „Sportverein“ ans Klubheim, in Vereinsliedern wird bei der Spvgg Mössingen „der SVM“ sowie bei Westfalen Liesborn eine „Westfalia“ besungen ... (mehr solcher Fälle s. unter „Sündenpfuhl“). Dabei obliegt es doch den Namensträgern selbst, für klare Verhältnisse zu sorgen. Man wird einen Verein nicht dauerhaft anders bezeichnen, als er es selbst tut und wünscht. Setzen desinteressierte Zeitungsredakteure den Koldinger SV chronisch als SV Koldingen in die Tabelle, Eintracht Suttorf als SV Suttorf, Kickers Vahrenheide als SV Kickers, sollten die Vereine das nicht einfach so hinnehmen. Der Freiburger FC hätte auch schon längst mal auf eine neue Meisterschale bestehen müssen, auf der er nicht mehr als „1.FC Freiburg“ eingraviert ist, nachdem er schon vorher auf der Viktoria-Trophäe verkehrt als „FC Freiburg“ erschienen war.



An dieser Stelle sei auch nochmal an die Ausführungen zu Kurzformen auf der Unterseite „Klarheit beim Namensaufbau“ verwiesen. Ein einwandfrei gepflegter Vereinsname ist nicht mit mehreren Kurzformen im Umlauf. In eigenen wie externen Veröffentlichungen wird der Abwechslung halber gern von einem Satz auf den anderen die Benennung ausgetauscht, evtl. zusätzlich gespickt mit dem Spitznamen. Hier zwei Beispiele, gefunden auf den Netzseiten des DSC Arminia Bielefeld sowie des SV Darmstadt 98: „Auch die Treffer Nummer drei und vier besorgte der Stürmer innerhalb kürzester Zeit, sodass es nach 13 Minuten bereits 0:4 für Arminia stand. Danach schaltete der DSC einen Gang runter, das Spiel fand aber immer noch überwiegend in der gegnerischen Hälfte statt. Es war erneut (...), der das fünfte Tor für Arminia in der 28. Minute erzielte. In der 35. Minute kam dann der Gastgeber zu seinem ersten Torschuss, den (...) im Tor des DSC aber ohne Mühe festhalten konnte.“. „Die Lilien gewannen am Mittwochabend auch das fünfte Testspiel der laufenden Vorbereitung. Gegen den Hessenligisten FC Viktoria Urberach behielt der SV 98 mit 4:0 (1:0) die Oberhand. Die Treffer für den SVD erzielten (...).“ So etwas wirkt überzogen und bringt den Empfänger durcheinander. Im Grunde müssen da sogar sprachliche Fehler angekreidet werden, wenn ein- und dasselbe Subjekt mit unterschiedlichen Identitäten ausgestattet wird. Anders als dies bei allgemeinen Wörtern der Fall ist, stören Wiederholungen von Namen daher keineswegs. Sie zeugen somit auch nicht von schlechtem Stil! Bestimmte Menschen nennen wir ja auch immer gleich, und nicht mal so, mal so.



Zwischen Vor- und Nachname soll eine Klangharmonie erzielt werden. Für das Zusammenspiel von Bezeichnungs-/Wortname/Jahreszahl und Ortsname gilt das nicht minder. Ein wirksames Mittel auf dem Weg dorthin ist die Konterstellung der Silbenzahl. Meist läuft es auf die Pärchen zweisilbrig/dreisilbrig und dreisilbrig/zweisilbrig hinaus. Durch eine kleine Sprechübung wird der Leser selbst feststellen, daß „VfB Gröbzig“ und „SV Erlenbach“ ausgereifter klingen als „VfB Grötzingen“ und „SV Erbach“. Auch sollte der vorhergehende Namensbestandteil nicht mit dem selben Laut enden, mit dem der nächste beginnt (VfL Löningen, Eintracht Trier, Göttingen 05). Auffällige Lautwiederholungen sind zu vermeiden (FSV Zwickau, Borussia Fulda, Hessen Massenheim; ein besonders dämlicher Fall ereignete sich im Frauenfußball mit der Umfirmierung der SG Essen-Schönebeck in SGS Essen). Gar Preußen Greußen +, Phönix Hönigsberg + und Jahn Köln-Wahn * sind belegt. Sowieso ist ein ständiger Wechsel der Vokallaute anzustreben, was z.B. der 1.FC Erlensee, der 1.FC Mecklenbeck und der SC Lerchenberg nicht bedachten (bei bis zu sieben Vokallauten ausschließlich das e). Komplett mit e buchstabierte Kürzel und entstehende Kurzformen mögen sich zwar schneidig anhören, zugleich aber auch unnötig flach und dünn (FCB, DSC, SGW). Bei den Namen FC und SC sind derlei Ergebnisse vorprogrammiert, da sich der Anfangsbuchstabe des Ortsnamens mit einiger Wahrscheinlichkeit ebenfalls mit e buchstabiert. Die englischen Originale geben sich diese Blöße aufgrund der anderen Aussprache des C nicht, und auch bei uns könnten FK und SK die Gefahr schon intern bannen. Zur Vermeidung böser Überraschungen muß die entstehende Kurzform also von Anfang an mit einkalkuliert werden. Hätten die jungen Fusionsklubs FC Ingolstadt und FC Iserlohn die Warnungen von Vereinsnamen.de ernstgenommen, müßten ihre Fans sich jetzt nicht mit Kurzformen abplagen, die dem Ausruf von Ekel gleichkommen. Von vordergründigen Klangsünden abgesehen können auch unschöne thematische Verhedde­rungen eintreten, z.B. wenn der Ortsname eine Farbe oder eine Zahl enthält, und im Vereinsnamen dann weitere hinzustoßen (Blau-Gelb Goldbeck, Rot-Weiß Braunschweig, Schwarz-Weiß Roth; FSV 04 Viernau, Viktoria 09 Neunkirchen, VfL 09 Dreihausen). Zum obersten Tolpatsch küren wir aus dem Ort Grüne den TV Eiche Grüne 1891. Auch Preußen-Borussia Stettin und Nordstern-Ostmark Wien waren gewagt.


Neben der Klangharmonie steht das Streben nach optischer Gefälligkeit. Recht weit verbreitet ist das Gefühl dafür, einem Kind zu einem längeren Nachnamen einen kürzeren Vornamen zu geben, und umgekehrt. Daß Vereinsnamen wie 1.FC Köln, SV Ried, Zug 94, VfB Hüls, SC Verl, FC Kray entsprechend zu kurz geraten sind, erkennt man schon ohne ein geschultes ästhetisches Empfinden. Den Vogel schießen FC Au, SC Au, FV Ay und TV Oy ab. Bei Ortsnamen mit unter fünf Buchstaben stehen für den Namensaufbau folgende drei Möglichkeiten zur Auswahl: Wortname, Hintanstellung des Kürzels zwecks Mitnahme der grammatischen Beugung (Grazer AK, Bonner SC, Kehler FV), vierstellige Jahreszahlen. Am anderen Skalenende begegnen wir Vereinen wie Borussia Mönchengladbach, Viktoria Aschaffenburg, Blau-Weiß Hohenschönhausen, von solchen mit zwei Wort- oder Ortsnamen gar nicht zu reden (Rekordhalter könnte die SG Rot-Weiß Germania 11/67 Westerfilde-Bodelschwingh sein). Muß ein Vereinsname in der Tabellenspalte immer zusammengestaucht werden, braucht man die Schuld nicht bei anderen zu suchen. Knappst möglich fährt man mit einem zweistelligen Bezeichnungsnamen vorn oder einer zweistelligen Jahreszahl. Einen weiteren optischen Aspekt betreffen die Initialen. Zwei gleiche Anfangsbuchstaben (= Alliterationen) versprühen gewiß Glamour, ob es sich nun um Charlie Chaplin, Marylin Monroe und Tina Turner handelt, oder um Alemannia Aachen, Lok Leipzig und Fontana Finthen. Ein Ratschlag über alle Neigungen und Einzelfälle hinweg läßt sich daraus jedoch nicht ableiten. Wichtig ist allein die Einsicht, daß gleiche Anfangsbuchstaben bei Bezeichnungsnamen­klubs jedenfalls nach hinten losgehen können. Wenn wir uns die Beispiele WSG Wattens, OSV Orsbach, BSC Brunsbüttel anschauen, drängt sich doch sofort der Verdacht auf, hier wären eine Wattenser SG, ein Orsbacher SV und ein Brunsbüttler SC falsch geschrieben worden, obwohl die Voranstellungen in Wirklichkeit für „Werk-“, „Olympischer“ bzw. „Ball-“ stehen. Selbst bekannte Klubs mit absolut gebräuchlichen Namen können diesen Gedankengang nie endgültig beiseiteschaffen, siehe FSV Frankfurt. Woraus natürlich ganz und gar nicht geschlossen werden soll, daß es akzeptabel wäre, wenn der besagte Buchstabe tatsächlich für den Ortsnamen stünde (LASK Linz, KSV Hessen Kassel, ASG Altenkirchen; noch bekloppter beim USVG Großrußbach; am scheußlichsten beim „FSV Friedrichshaller SV“ und beim „HSV Hasenwinkler SV“ +).




Manche Menschen heiraten, manche Fußballvereine fusionieren. Kombinierte Namen verursachen hüben wie drüben immer wieder Reibung mit dem Umfeld. Die Problematik erzwungener Mehrklänge wurde bereits unter „Vertiefungen / Fusionsergebnisse“ beleuchtet. Sie sind unhandlich und verwirrend, drücken Mißtrauen und Zweifel aus. Gangbarer wäre da schon der Entschluß, einen der beiden vorhandenen als gemeinsamen Namen weiterzuführen. Menschen steht auch noch die Option frei, die bisherigen Namen einfach beizubehalten, wovon Fußballvereine natürlich keinen Gebrauch machen können. Ihnen wiederum eröffnet sich die reizvolle Gelegenheit, und die sollte pauschal gesagt auch beim Schopfe gepackt werden, einen ganz neuen Namen auszuwählen. Umfragen kann man sich zu Zeiten von Vereinsnamen.de sparen. Am besten brüten die treibenden Kräfte schon lange vor der Fusion den geeignetesten Namen aus und setzen diesen als Arbeitstitel in die Welt, woraufhin er dank seiner Vertrautheit den Showdown passiert und gleich in der Anfangsphase des neuen Vereins locker von den Zungen geht. Auf den Verstand der Gründungsversammlung allein ist offensichtlich kein Verlaß. Abschreckende Beispiele gibt es zuhauf, u.a. sage und schreibe sieben Fusionsklubs, die von einem der Vorgängervereine einen „Vereinsnamen gemäß den Vereinsfarben“ übernahmen, gleichzeitig aber davon abweichende Vereinsfarben festlegten: „SC Bogenhausen/Schwarz-Blau“ (schwarz-gelb), „SG Bornheim Grün-Weiss“ (blau-weiß), SpVgg Grün-Weiß 03 Deggendorf (schwarz-grün-weiß), SpVgg Schwarz-Weiß Düren 99 + (rot-schwarz-weiß), SV Grün-Weiß Lenderscheid (schwarz-weiß), FSV Schwarz-Weiß Neunkirchen-Seelscheid (grün-schwarz-weiß), „Rot-Weiß Welheimer Löwen“ (blau-weiß).